Was ist eine Familienwirtschaft?

Was könnte man unter Familienwirtschaft verstehen? Nun, es gibt drei Definitionsmöglichkeiten. Zum einen wird unter der Familienwirtschaft die Bevorzugung von Verwandten, ohne dass diese eine fachliche Qualifikation besitzen, bei einer Stellungsbesetzung verstanden. Diese Art des Verständnisses geht mit einer gewissen Abwertung einher. Zum anderen ist das Wirtschaften innerhalb der Familie selbst gemeint. Als dritte Definition wäre da beispielsweise ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich im Besitz der Familie befindet und dementsprechend von den Familienmitgliedern betrieben wird, also ein Familienunternehmen bildet.

Familienunternehmen

Familienunternehmen, auch Familienbetrieb genannt, ist ein Unternehmen, welches von einer Familie oder von Eigentümern mit verwandtschaftlichem Hintergrund geführt wird.

Der Begriff an sich ist eine Ausprägung aus dem Oberbegriff Mittelstand, welcher entweder nach Quantität kleine und mittlere Unternehmen oder nach Qualität einheimische und eigentümergeführte Unternehmen beschreibt. Bei beiden Beschreibungen handelt es sich meist um Familienunternehmen, allerdings liegt der Unterschied in der Quantität und Qualität:

  • Kleine und mittlere Unternehmen
    • Hierbei liegt eine quantitative Größengrenze fest. Die Einordnung des Unternehmens in die entsprechende Größenordnung erfolgt anhand der Beschäftigtenzahl oder der Umsatzhöhe.
  • Eigentümergeführte Unternehmen, also Familienunternehmen
    • Deren Charakter liegt in den Eigentums- und Leitungsstrukturen. In den Familienunternehmen wird keine Größenbeschränkungen vorgegeben. Eine Abgrenzung aufgrund der fehlenden Definition der Familie erweist sich als recht schwierig, daher wird zur Zeit diskutiert, ob man die in Finnland vorhandene Definition übernehmen sollte. Diese würde folgendes besagen: Ein Unternehmen ist ein Familienbetrieb jeder Größe, sofern
      1. die natürliche Person, die das Unternehmen gründete oder die das Aktienkapital der Firma erwarb oder ihre Nachkommen im Besitz der Mehrheit der Entscheidungsrechte sind,
      2. mindestens einer, falls der Besitz sich auf mehrere Personen erstreckt, an der Unternehmensleitung beteiligt ist,
      3. bei einem börsennotierten Unternehmen 25 % der Stimmrechte bei dem Besitzer oder den Eigentümern liegen.

Weitere Definitionsmöglichkeiten des Familienunternehmens

Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn versteht ein Familienunternehmen als durch die Einheit von Eigentum und Leitung geprägtes Unternehmen, welches also sowohl in Kapitalfragen sowie kotrollrechtlich vom Eigentümer selbst oder mithilfe eines Fremdmanagers geleitet wird.

Die Stiftung Familienunternehmen wiederum sieht in einem Familienunternehmen eine Trennung zwischen Eigentum und der Leitung, doch solange das Unternehmen von einer überschaubaren Anzahl von natürlichen Personen und Familien geführt wird, ist es ein Familienbetrieb.

Der Verband Die Familienunternehmer – ASU andererseits betrachtet neben den soeben aufgeführten Eigentums- und Leitungsstrukturen auch die Einheit von Risiko und Haftung als ein ausschlaggebendes Merkmal eines Familienunternehmens. Denn der Unternehmer kommt mit seinem eigenen Kapital für betriebswirtschaftliche Entscheidungen auf.

Eigentlich ist es nicht gerade wichtig eine strickte Trennung zwischen Familienunternehmen und solchen, die es nicht sind, herauszuarbeiten. Der entscheidende Punkt liegt in dem Familieneinfluss selbst. Dieser kann nämlich über vielfältige Dimensionen ausgeübt werden. Dazu gehören:

  • Stimmrechte
  • Positionen im Aufsichtsrat
  • Positionen im Management
  • Familienunternehmenskultur, die sich über die Zeit aufgebaut hat.

Besonders bei großen und börsennotierten Unternehmen fällt auf, dass die Familie nicht mehr im Management präsent ist. Dank der Firmenanteile sowie den Positionen im Aufsichtsrat können die Familien jedoch weiterhin einen enormen Einfluss auf das Unternehmen ausüben (denke man hier beispielsweise an den Einfluss der Familie Quandt/Klatten auf BMW).

Besonderheit von Familienunternehmen

Bleibt man nun bei einem reinen Familienunternehmen, welcher nicht sofort einem Konzern gleicht, so findet man schnell heraus, dass ein Wechselspiel von Unternehmen, Eigentümern und Familie für diese charakteristisch ist. Auch die Interessengemeinsamkeit sowie Erwartungshaltungen, die gleichzeitig als die wichtigste Kraftquelle darstellen, um Herausforderung zu bestehen, sprechen für ein Familienunternehmen. Weitere positive Kennzeichnungen eines Familienbetriebes sind:

  • Langfristiges Denken und Handeln
    • Viele fremdmanagergeführte Unternehmen denken und führen den Betrieb aufgrund den Quartalergebnissen, was zu einer langfristigen nicht Nachhaltigkeit führen kann.
    • Auch die Verantwortlichkeit den Mitarbeitern gegenüber scheint in einem Familienunternehmen eher herzlich behandelt und als wichtig angenommen, nicht so bei einem temporären Manager.
  • Flexibilität, schnelle Entscheidungsfindung und Innovation
    • Hier spielen vor allem die schnellen und unkomplizierten Entscheidungsfindungen im Vergleich zu Konzernen eine wichtige Rolle.
  • Unternehmertum und Risikofreude
    • Da es in einem Familienunternehmen nicht um kurzfristige Gewinne geht, sind diese unter anderem auch dank ihrer Motivationsfreude mutig genug, neue Wege einzuschlagen und entsprechende Risiken einzugehen.
  • Herz und Seele
    • Es gibt genügend Familienunternehmen, die aus dem Nichts geschaffen worden sind, und dann sind da welche, die vererbt worden sind: doch beide Varianten haben Herzblut und Seele in sich.
  • Gesellschaftliches Engagement und Werteverständnis
    • Es ist das Pflichtbewusstsein der Gesellschaft gegenüber, welches für ein Familienunternehmen spricht.

Achillesferse eines Familienunternehmens

Es gibt zwar einige Punkte, die positiv für einen Familienbetrieb und familiäre Wirtschaft sprechen, doch Probleme kommen bereits bei einer Nachfolgefrage auf. Teilweise fehlt den Familienmitgliedern die nötige Qualifikation, die wiederum für das jeweilige Unternehmen vonnöten sind. Bei Bedarf ist es ebenso schwierig an frisches Kapital heranzukommen.

Selbst wenn das Familienunternehmen sich für qualifiziertes Personal entscheidet, so möchte dieses Personal wiederum nicht unbedingt für einen kleinen Familienbetrieb arbeiten, sondern eher in die großen Firmen einsteigen.

Auch ein möglicher Familienstreit ist ein Hindernis das Unternehmen vernünftig und erfolgreich zu führen. Hier müssen die Familienmitglieder aufpassen, dass die Familie selbst nicht zerbricht und so ein Druck auf die Firma aufgebaut wird.